Wie gut finden KI-Systeme deutsche B2B-Unternehmen? Eine empirische Untersuchung mit 24 DACH-Mittelständlern und 4 KI-Systemen. 960 Datenpunkte, klare Befunde.
Diese Studie analysiert die KI-Sichtbarkeit von 24 deutschen B2B-Unternehmen aus dem DACH-Mittelstand. Für jedes Unternehmen wurden 10 praxisnahe Einkäufer-Prompts bei vier führenden KI-Systemen (ChatGPT-4o, Gemini Advanced, Perplexity und Microsoft Copilot) ausgewertet: insgesamt 960 Datenpunkte.
Besonders aufschlussreich: Die Unsichtbarkeit korreliert nicht mit Unternehmensgröße, Zertifizierungsstand oder Marktposition. Ein A-Lieferant mit über 300 Mitarbeitern, IATF-Zertifizierung und 90 Jahren Marktpräsenz erreicht denselben GEO-Score wie ein kleines Handwerksunternehmen ohne digitale Strategie.
Die Studie zeigt erstmals empirisch, dass KI-Systeme bereits heute eine eigenständige Rolle in der Lieferantenrecherche einnehmen und dass ein Großteil des deutschen Mittelstands in diesem Kanal faktisch nicht existiert.
Die Studie verwendet eine eigens entwickelte Methode zur Messung der GEO-Sichtbarkeit (Generative Engine Optimization, einer Disziplin im Umfeld der klassischen Suchmaschinenoptimierung): die Häufigkeit direkter Nennungen in KI-generierten Antworten auf realistische Einkäufer-Prompts.
Scoring: 0 = Unternehmen nicht genannt, 1 = Unternehmen genannt. GEO-Score = (Nennungen / 10) x 100 %. Der Ø GEO-Score je Unternehmen ist das arithmetische Mittel über alle vier LLM-Systeme.
Von den 24 Unternehmen haben 4 der namentlichen Nennung zugestimmt. Die übrigen 20 werden anonymisiert nach Branche und Bundesland ausgewiesen. Die Daten wurden im Rahmen kostenfreier GEO-Analysen erhoben. Ein Teil der Unternehmen steht in einer Geschäftsbeziehung zur Johannes Bopp GmbH in anderen Leistungsbereichen (z.B. Leadgenerierung, Recruiting), nicht im Bereich GEO.
Die Studie identifiziert vier strukturelle Ursachen für GEO-Unsichtbarkeit im DACH-Mittelstand, mit unmittelbaren Implikationen für Marketing, Vertrieb und digitale Strategie.
Englische Inhalte wirken als starker Multiplikator für die KI-Sichtbarkeit, insbesondere bei LLMs mit primär englischen Trainingsdaten. Das einzige Unternehmen mit signifikanter Sichtbarkeit kombiniert eine vollständige englische Website-Version mit einer vorbildlichen technischen und semantischen Content-Architektur.
Ø 48% vs. Ø 7%Mehrere der 0%-Unternehmen verfügen über Schema.org-Markup, darunter ein Unternehmen mit FAQPage-Schema, strukturiertem Content und solider technischer Basis. Der entscheidende Faktor: Inhalte ohne dedizierte, crawlbare URL können von KI-Systemen nicht als Quellen zitiert werden, unabhängig davon, wie gut das Markup implementiert ist.
URL-Struktur entscheidendUnternehmen, die ihre Kommunikation auf intern entwickelte Begriffe und Verfahrensnamen stützen, werden von keinem KI-System gefunden. Einkäufer beschreiben ihr Problem, nicht die proprietäre Lösung. Wer seine eigene Sprache spricht statt der Sprache der Einkäufer, bleibt in KI-Antworten unsichtbar.
Einkäufersprache zähltDasselbe Unternehmen erzielt je nach KI-System erheblich unterschiedliche Scores. Unnapur erreicht bei Gemini 80 % und bei Copilot 0 % — eine Spanne von 80 Prozentpunkten beim identischen Unternehmen mit identischer Website. Ein einzelner LLM-Test liefert kein valides Bild der tatsächlichen KI-Sichtbarkeit.
bis zu 80 Pkt. AbstandDer Effekt basiert nicht allein auf der Sprache, sondern auf der Kombination aus technischer Exzellenz, semantischer Präzision und englischen Inhalten als Multiplikator des Trainingsdaten-Bias großer LLMs.
Die folgenden Unternehmen haben der namentlichen Nennung zugestimmt. Jeder Fall illustriert eine der identifizierten Ursachen für GEO-Sichtbarkeit oder -Unsichtbarkeit.
Mit Ø 48 % erzielt Unnapur den mit Abstand höchsten GEO-Score der gesamten Studie, bei einem Datensatz-Durchschnitt von 7 %. Das Unternehmen ist Hersteller von PUR-Formteilen für Medizintechnik, Kassensysteme und Apparatebau.
Was Unnapur von allen anderen Unternehmen unterscheidet: Eine vollständige englische Website-Version, umfassendes Schema.org-Markup (WebPage, Organization, WebSite, BreadcrumbList) und nach Zielbranchen strukturierte Unterseiten mit direkter semantischer Übereinstimmung zur Sprache der Einkäufer.
A-Lieferant namhafter Fahrzeughersteller mit hochpräzisen kaltumgeformten Komponenten, ein Unternehmen, das in der klassischen Lieferantenbewertung exzellent aufgestellt ist. Trotzdem: nur Ø 18 % und bei Perplexity 0 %.
Die partielle Sichtbarkeit (30 % bei ChatGPT und Copilot) erklärt sich durch eine einzige Website-Eigenschaft: Die H1-Überschrift lautet "Kaltmassivumformung", der exakte Fachbegriff, den Einkäufer eingeben. Ein Begriff an der richtigen Stelle genügt für partielle Trainingsdaten-Sichtbarkeit, reicht aber nicht für aktive Web-Sichtbarkeit.
LIVARSA verfügt über das technisch beste Setup unter allen 0%-Unternehmen: Schema.org-Markup (Organization, WebPage, FAQPage), funktionierende Meta-Descriptions und über 770 Wörter Content auf der Startseite.
Trotzdem: 0 % über alle vier Systeme. Der Grund liegt in der Seitenarchitektur. Die beiden Hauptkategorien im Navigationsmenü ("Energy Data Engineering" und "Messklinik") haben keine crawlbaren Unterseiten, beide URLs geben 404-Fehler zurück. Der Inhalt existiert ausschließlich als Fließtext auf der Startseite, ohne dedizierte URL und ohne eigenständige Indexierbarkeit.
Bundesweit tätiger Spezialist für Rohrinnensanierung mit DIBt-zertifiziertem Eigenverfahren. Die gesamte Content-Strategie dreht sich um den proprietären Begriff "ElastoFlake". Das Problem: Kein Einkäufer gibt "ElastoFlake Rohrsanierung" bei einem KI-Assistenten ein.
Ein Einkäufer beschreibt sein Problem: "Rohrinnensanierung ohne Aufstemmarbeiten", "Rohrsanierung im laufenden Hotelbetrieb", "grabungsfreie Rohrsanierung Gewerbeimmobilie bundesweit". Diese Formulierungen sind auf der Website strukturell nicht verankert, nicht in Überschriften, nicht als dedizierte Seiten, nicht als beantwortete Fragen.
| Unternehmen | ChatGPT | Gemini | Perplexity | Copilot |
|---|---|---|---|---|
| Unnapur GmbH | 60 % | 80 % | 50 % | 0 % |
| Schondelmaier GmbH | 30 % | 10 % | 0 % | 30 % |
| M · Servospindelpressen, NRW | 0 % | 40 % | 0 % | 30 % |
| N · Antirutschbeläge / Schienenfahrzeuge | 0 % | 10 % | 30 % | 20 % |
| B · Silikonformteile | 0 % | 40 % | 0 % | 10 % |
| C · Blechbearbeitung | 0 % | 0 % | 0 % | 30 % |
| LIVARSA GmbH | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
| Engels Rohrsanierungen GmbH | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
| G · Pressenbau & Umformtech. | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
Dasselbe Unternehmen erzielt je nach KI-System Scores zwischen 0 % und 80 % — eine Spanne von 80 Prozentpunkten. Ein einzelner LLM-Test liefert kein valides Bild.
GEO-Sichtbarkeit ist kein Zufall und keine Frage der Unternehmensgröße. Sie ist das Ergebnis messbarer Website-Eigenschaften, und sie erfordert Expertise in drei Bereichen.
KI-Systeme lesen Websites anders als Menschen. Entscheidend ist eine atomisierte Content-Architektur: Jede Kernleistung, jedes Produkt und jede relevante Frage muss auf einer eigenen, technisch sauberen und stabilen URL abgebildet sein. Fehler in der technischen Basis, falscher Schema-Typ, nicht erreichbare Unterseiten, fehlende dedizierte URLs, verhindern Sichtbarkeit unabhängig davon, wie gut der eigentliche Content ist.
KI-Systeme zitieren Inhalte, die als Antwort auf konkrete Fragen strukturiert sind, in der Sprache der Einkäufer, nicht in der Unternehmenssprache. Die semantische Präzision, die exakte Übereinstimmung von Überschriften, URLs und Content mit den Suchintentionen der Einkäufer, ist dabei von höchster Relevanz. Englischsprachige Inhalte können diesen Effekt verstärken, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit einer präzisen semantischen Ausrichtung.
LLM-Trainingsdaten ändern sich. Was heute in ChatGPT erscheint, kann nach dem nächsten Trainings-Update verschwinden. GEO-Sichtbarkeit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der regelmäßige Messung, Analyse und Anpassung voraussetzt, über mehrere Systeme hinweg, nicht anhand eines einzelnen LLM-Tests.
KI-Assistenten werden zum ersten Ansprechpartner bei der Lieferantenrecherche, noch bevor ein Einkäufer eine Website öffnet oder einen Kollegen befragt. Mit der breiten Integration von Copilot, Gemini und ChatGPT in Unternehmensumgebungen ab 2025 beginnt eine neue Phase der digitalen Beschaffung, in der KI-Antworten den ersten Lieferantenzugang bestimmen.
Diese Studie belegt erstmals empirisch mit 24 DACH-Mittelständlern und 960 LLM-Abfragen: 10 von 24 Unternehmen sind in diesem neuen Kanal vollständig unsichtbar. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 7 %.
Die gute Nachricht: GEO-Sichtbarkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis gezielter Maßnahmen, und sie ist messbar. Unternehmen, die verstehen, was KI-Systeme brauchen, um sie zu zitieren, können diesen Nachteil systematisch aufholen. Generative Engine Optimization ist kein SEO-Trend. Es ist die Anpassung an den Kanal, über den ein wachsender Anteil von Kaufentscheidungen bereits vorbereitet wird.
Die vollständige Studie inkl. anonymisiertem Unternehmensranking und Prompt-Architektur steht als PDF zum Download bereit. Alternativ: Kostenloser KI-Sichtbarkeits-Check für Ihr Unternehmen.
Tobias Ackermann verantwortet GEO-Strategie und KI-Sichtbarkeitsanalysen bei der Johannes Bopp GmbH (Braunschweig). Die Methodik, die Prompt-Architektur und das Auswertungsframework dieser Studie sind eigenständige Entwicklungen. Kontakt: geo@johannesbopp.de